Familienaustausch – Erlebnisbericht einer Teilnehmerin

Felder, Felder und noch mehr Felder. Zwischendurch ein kleines Wäldchen. Und dann die obligatorische Fahrt durch einen kleinen Tunnel. Dann ist man ganz sicher: Jetzt sind wir fast da!

Je näher man den Bosc-le-Hard und Clères, den Partnergemeinden von Goldenstedt in der Haute-Normandie kommt, desto größer ist im Allgemeinen die Vorfreude. Die beiden kleinen Orte liegen etwa eine halbe Autostunde von der Hauptstadt des Départements Seine-Maritime – Rouen – entfernt.

Das Licht in der Normandie ist ganz besonders, wenn ich es mit einem Wort beschreiben müsste, würde ich wahrscheinlich „weich“ benutzen. Man muss es einfach selbst gesehen haben. Schon der berühmte Maler Claude Monet war in Rouen davon beeindruckt.

Die Landschaft ist von Ackerbau geprägt, im Gegensatz zu der Region um Goldenstedt findet man hier aber kaum Mais, sondern vor allem Leinen. Außerdem sind viele Kuhweiden mit den bunt-gescheckten französischen Kühen zu finden. Die Straßen sind sehr kurvig, daran müssen sich viele deutsche Mägen erst gewöhnen, aber die Aussichten lenken oft schnell davon ab.

Sobald man in den Ort Bosc-le-Hard hineinfährt, wird einem klar, was es heißt, wenn die erfahrenen Mitfahrer davon sprechen, dass „die Stohballen hier noch eine Nummer kleiner sind“ und hier noch das „Dorf-Dorf-Leben“ geführt wird. Das Ortszentrum ist von vielen kleinen Geschäften zwischen Kirche und Rathaus geprägt. Die Wohnhäuser sind typisch französisch: Zumeist klein und fein. Die älteren Häuser sind oft Fachwerkhäuschen, die neueren Häuser sind häufig hell verputzt. Sie haben alle ihren Charme, allerdings muss sich der ein oder andere in Acht nehmen, nicht jeden Tag beim Treppensteigen den Kopf zu stoßen.

Clères, 5 km von Bosc-le-Hard entfernt, ist etwas größer, aber ebenfalls sehr idyllisch gelegen. Das Ortszentrum ist auch dörflich geprägt. Sehr stolz sind sie auf ihren zoologischen Park, der zum Spazierengehen einlädt. Er ist wunderschön bepflanzt und beheimatet auch eine steigende Anzahl von Vögeln und Tieren, viele von ihnen sind exotisch.

Die Ankunft ist meistens im „Salle Clara“ in Clères, einem Veranstaltungsraum. Der Bus wird von den Franzosen erwartet. Sie haben einige Häppchen und etwas zu trinken als Begrüßung hergerichtet. Begrüßt wird man, wenn man sich kennt, mit dem herzlichen und allseits beliebten Küsschen links, Küsschen rechts. Die Franzosen haben aber auch unser praktisches, kurzes Nicken in die Runde, begleitet von einem fröhlichen „Moin!“, schätzen gelernt.

Der erste Abend wird in den Familien verbracht. Das Essen ist immer sehr gut und schmackhaft. Wenn sie Gäste haben, wird das auch typisch französisch zelebriert. Das heißt, dass es erst einen Aperitif gibt, z.B. kleine salzige Knabbereien. Danach wird die Hauptspeise aufgetischt, dazu gibt es immer Baguettebrot. Es wird langsam gegessen und viel geredet. Im Anschluss wird Salat gereicht, danach eine Auswahl an französischem Käse. Insgesamt gibt es zwischen 300 und 400 Käsesorten, die nicht einmal alle Franzosen in ihrem Leben alle probieren können. Zum Abschluss gibt es dann den Nachtisch, etwas Fruchtiges oder aber Eis oder Joghurt. Oder alles.

Auch bei allen folgenden Mahlzeiten geben sich die Gastgeber viel Mühe, deswegen ist es nur fair, wenn man direkt sagt, was man nicht essen mag oder darf. Das Frühstück ist häufig anders als in Deutschland. In Frankreich trinkt man seinen Kaffee, Tee oder Kakao aus Schüsseln und tunkt auch Brot oder Croissant hinein. Generell ist es eher süß und auch auf Teller verzichtet man teilweise.

Wenn man sich darauf einlässt, herzliche Leute kennenlernen möchte und auch auf das vorbereitete Programm Lust hat, wird man – auch wenn man nur ein Wochenende dort verbringen wird und sich zuerst fragt, warum man sich überhaupt für zwei Übernachtungen insgesamt 24 Stunden in einen Bus setzt – ein tolles Wochenende erleben und von der Gastfreundschaft so beeindruckt sein, dass man eventuell beim Abschied auch eine Träne verdrücken muss. Aber man weiß: Man wird sich wiedersehen: A la prochaine fois!

Dies sind Eindrücke von Gesa, langjährige Teilnehmerin im Familien- und Jugendaustausch und jetzt Betreuerin der Jugendlichen